In diesem Studienjahr bietet die CIU Korntal den Masterkurs Genesis: Schöpfungstheologie im Kontext von Natur- und Religionswissenschaft an. Im Interview mit der Dozentin, Lydia Jaeger, fragen wir nach, was diesen Kurs besonders relevant macht:

Warum ist es gerade jetzt wichtig, sich mit dem biblischen Schöpfungsverständnis zu beschäftigen?

Die entscheidenden Herausforderungen für die Theologie des 21. Jahrhunderts sind im Bereich der Anthropologie zu erwarten. Der transzendente Bezugsrahmen ist weitgehend verloren gegangen. Somit stellt sich in ganz neuer Schärfe die Frage nach dem, was den Menschen ausmacht und seine Identität definiert. Dies gilt vor allem im Westen, wirkt sich aber durch die Globalisierung weltweit aus. Die christliche Gemeinde kann hier ohne Rückbezug auf die biblische Lehre des zum Bilde Gottes geschaffenen Menschen keine Orientierung bieten.

Welche Bedeutung hat der biblische Schöpfungsbegriff für das Zeugnis im Kontext der Weltreligionen?

Das biblische Welt- und Menschenbild, das auf der Schöpfung beruht, ist entscheidend für die Verkündigung im Einflussbereich östlicher Religionen: Wie kann das Evangelium als gute Botschaft verstanden werden, wenn der Hinduist glaubt, dass die wahrnehmbare Welt eine Illusion ist, und der Buddhist hofft, der menschlichen Existenz ins Nirvana zu entrinnen? Der Islam und das Judentum wissen um den Schöpfer. Dies ist eine wertvolle Brücke für die christliche Verkündigung. Gleichzeitig gilt es aufzuzeigen, dass nur ein trinitarisches Gottesbild und die gesamtbiblische Lehre von der Erlösungsbedürftigkeit des Menschen der Schöpfungslehre gerecht werden.

Welche Überraschungen bietet dieser Kurs Teilnehmern, die sich bereits mit den grundlegenden apologetischen Fragen zur Schöpfung beschäftigt haben?

Der Kurs bringt Themenbereiche zusammen, die zu häufig getrennt bleiben: ein biblisch-theologischer Ansatz, eine konstruktive Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, ein Erarbeiten der existenzellen Bedeutung der Schöpfung für unser Leben und ein vertieftes Verständnis der Einzigartigkeit der biblischen Botschaft durch das Hineinhören in andere Welt- und Lebensanschauungen.

Worauf freust Du Dich im Dialog mit den Studierenden?

Auf das Lernen von unterschiedlichen Lebenserfahrungen, gerade im interkulturellen Dialog.

Lydia Jaeger

Nach dem Studium der Physik und Mathematik sowie der Theologie promovierte Lydia Jaeger in Philosophie an der Sorbonne über mögliche Verbindungen zwischen dem Begriff der Naturgesetze und religiösen Überzeugungen. Sie ist Dozentin und akademische Beraterin, zuständig für internationale Beziehungen, am Institut Biblique de Nogent-sur-Marne (Frankreich). Sie ist Research Associate des St. Edmund’s College der Universität Cambridge, Faraday Associate des Faraday Institute for Science and Religion und KLC Research Fellow am Kirby Laing Centre for Public Theology (alle in Cambridge, UK). Lydia Jaeger ist Autorin von sieben Büchern und zahlreichen Artikeln über die Beziehung zwischen Christentum und Naturwissenschaften.

Ihr bereits 2012 auf Deutsch erschienenes Buch „Als Mensch in Gottes Welt“ wurde in seiner englischen Übersetzung als Finalist der Christianity Today Book Awards 2024 gewürdigt.

Kursinfo und Anmeldung: