Im Kurs „Weltanschauung, Kultur und Evangelium“ sollen die Studierenden einen besonderen Film nennen und dabei die Lebenswelt der Hauptfiguren beschreiben. In einem zweiten Schritt gilt es sich dann zu überlegen, was für diese Hauptfiguren die „Gute Botschaft“ sein könnte. Dabei sind einige super gute Beiträge entstanden, die helfen, Menschen der gegenwärtigen Gesellschaft zu verstehen und ihnen das Evangelium zu vermitteln.

Der Film „Gnade“

Das Wort „Gnade“ ist irgendwie nur schwer nachvollziehbar. Ein interessantes Schlaglicht darauf wirft der deutsche Spielfilm „Gnade“ von Matthias Glasner aus dem Jahr 2012, obwohl er kein christlicher Film ist.

Um ihre Ehe wieder in den Griff zu bekommen, ziehen der deutsche Ingenieur Niels (gespielt von Jürgen Vogel) und die Krankenschwester Maria (gespielt von Birgit Minichmayr) in eine norwegische Stadt. Niels arbeitet dort in einer Gasförderanlage. Die Integration in die norwegische Gesellschaft fällt ihm schwer. Mit seiner Arbeitskollegin Linda beginnt er eine Affäre. Maria hingegen integriert sich schnell, sie arbeitet im Hospiz und singt im Kirchenchor.

„Ich bin doch ein guter Mensch“, meint sie und verweist auf ihr „Guthabenkonto“: ihr selbstloser Einsatz für Sterbende, ihre Vergebungsbereitschaft, ihre Beliebtheit im Hospiz und im Kirchenchor – doch sie fühlt sich schuldig, ohne Gnade, gnadenlos.

Als Maria nach einer Doppelschicht in einer Winternacht nach Hause fährt, verursacht sie – abgelenkt durch ein Polarlicht – einen Unfall. Sie hält ihren Wagen an, kann aber in der Dunkelheit nichts erkennen. Zuhause angekommen erzählt sie Niels von diesem Vorfall. Er fährt an die Unfallstelle zurück, kann aber nichts finden. Erst einige Tage später erfahren sie, dass bei dem Unfall Mette, ein 16-jähriges Mädchen, angefahren wurde. Sie war nach dem Aufprall noch von der Straße gekrochen, in ein Schneeloch gestürzt und dort erfroren. Maria und Niels beschließen, das Geschehene zu verheimlichen.

„Ich bin doch ein guter Mensch!“

Niels erzählt Maria von seiner Affäre. Maria vergibt ihm. Doch wegen des Unfalls plagen sie Gewissensbisse. „Ich bin doch ein guter Mensch“, meint sie und verweist auf ihr „Guthabenkonto“: ihr selbstloser Einsatz für Sterbende, ihre Vergebungsbereitschaft, ihre Beliebtheit im Hospiz und im Kirchenchor – doch sie fühlt sich schuldig, ohne Gnade, gnadenlos.

Dann, Maria und Niels beschließen, zu den Eltern des getöteten Mädchens zu fahren. Sie können mit dem Geheimnis nicht länger leben. Sie wollen „reinen Tisch“ machen und sagen, wie alles war. Mich berührt diese Filmszene sehr: Maria und Niels sitzen im Wohnzimmer der Eltern von Mette; sie erzählen und weinen. Der Film endet wie folgt: Die Einwohner der Stadt – unter ihnen Marie und Niels sowie Mettes Eltern – treffen sich zu einem festlichen Picknick. Sie begrüßen den Polarsommer, sind zusammen, essen miteinander und haben bei Sonnenschein eine gute Zeit. Diese Szene rührt mich an. Die Wochenzeitschrift DIE ZEIT meint zu diesem Film Folgendes: „Selten war ein Film klarer in seiner frohen Botschaft“, „Vergebung“ ist „auch unter unwahrscheinlichen Umständen möglich“. Diese säkulare Geschichte, die lediglich andeutet, legt eine Spur zum biblischen Gnadenverständnis: Die Vergebung, die Jesus uns anbietet, wird uns unverdient zugesprochen. Das, was wir am nötigsten brauchen, die Befreiung von Schuld und Versagen, kann uns nur geschenkt werden.

Bildnachweis: unsplash / Fotis Fotopoulos, Warren

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