„Jesus or nothing!“ lese ich in der E-Mail-Signatur einer Doktoratstudentin und stutze. Was ist damit gemeint? „Jesus oder nichts.“ Das klingt einerseits radikal, total exklusiv – lässt mich aber aufmerken. Im Internet finde ich unter diesen Worten ein Buch von Dan DeWitt aus dem Jahr 2014 mit dem Titel „Jesus or nothing“. Der Autor setzt sich darin mit dem Skeptizismus und Atheismus auseinander und bietet das Evangelium Jesu Christi als Alternative zu einer Weltanschauung des „Nichts“ an. Ich vermute, dass „Jesus or nothing!“ in der Signatur der Studentin vielleicht eine kreative Abwandlung sein könnte. Ein Slogan, kein Buchtitel. Eine Art Lebensmotto. Das wäre nicht unüblich.

Wer kennt das nicht: „Tue recht und scheue niemand“ oder „Nach mir die Sintflut“ oder „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ Solche Wahlsprüche haben die Leben vieler Menschen mitgeprägt. Dagegen kann „Jesus oder nichts“ bedeuten, dass hier ein Mensch die Wahl seines Lebens getroffen hat, bis zum Ende daran festhalten und sie bezeugen will.

„O sancta simplicitas“ sagt plötzlich der Theologe in mir. Dieser Ausdruck stammt ursprünglich von dem lateinischen Kirchenvater Hieronymus. Er bestaunte so die einfache Sprache der Jünger Jesu. „O heilige Einfalt“. Heute bezieht man dieses Wort ironisch eher auf eine Form der Dummheit. Aber das kann es in diesem Fall ja wohl nicht sein. Im Gegenteil, die Studentin bewegt sich sicher in ihrem Studium. Dort geht es um Komplexität, kritisches Denken, konzeptuelle Argumentation, eigenständige Forschung, Praxisbezug und vieles mehr und das alles auf sehr hohem Niveau. Einfalt im heutigen umgangssprachlichen Sinne ist da fehl am Platz.

„O heilige Einfalt“. Heute bezieht man dieses Wort ironisch eher auf eine Form der Dummheit. Aber das kann es in diesem Fall ja wohl nicht sein.

Mit drei Worten kann man keine Theologie betreiben, nicht wissenschaftlich arbeiten und keine Dissertation schreiben. Das ist wohl wahr. Aber man kann durchaus für sich selbst in heiliger Einfalt mit dem ersten Wort den Namen nennen, in dem alle Menschen gerettet werden sollen, die ihn anrufen. Mit zwei weiteren Wörtern kann man die Alternativlosigkeit dazu ausrücken: „Jesus or nothing“, Jesus oder nichts. Das findet in meinem Herzen einen Widerhall. Es ist eine Devise abgeleitet aus dem Evangelium Jesus Christi. Sollte ich als Dozent in heiliger Einfalt sagen, worum es mir selbst in meiner Tätigkeit an der AWM in Theologie, Studium und Weiterbildung gehe, könnte ich es ähnlich sagen: „Es geht letztlich um Jesus, sonst nichts.“

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Eine Stimme zu diesem Kurs:

„Bei aller Theologie und allem Dienst ist es notwendig, immer mal wieder innezuhalten und die eigene Theologie, das eigene Leben und die eigene Beziehung zu Gott zu reflektieren. Dieser Kurs gibt wunderbare Einblicke in die Welt der Spiritualität, gibt Raum für persönliche, geistliche Erfahrungen und lädt ein, Gott auf viele neue Weisen zu entdecken kognitiv ebenso wie intuitiv.“

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