Eine Verneigung der Seele

Eine Verneigung der Seele

Liebe Freunde,
lange hatte ich darüber nachgedacht – und hatte auch das Empfinden, in Übereinstimmung mit Gott zu sein, war hoffnungsvoll, dass andere Menschen sich gewinnen ließen. Und dann kommt es anders. Der gute Plan kommt nicht zur Umsetzung, die investierten Gespräche bringen keine Ergebnisse, das Wollen, Wünschen und Beten bringt nicht die erhoffte Veränderung.
Ich bin enttäuscht und wohl auch etwas verwirrt. Warum folgt das Leben nicht den guten Gedanken, die ich mir in Gottes Gegenwart dazu gemacht habe? War ich nicht dicht genug bei Gott, war es nicht „genug gebetet“? Wann wäre genug gewesen? Diese Fragerichtung eröffnet keinen Weg, bringt keine Klarheit. Sie bleibt zu sehr bei mir. Darf Gott anders sein als meine guten Wunschvorstellungen? Darf er anders handeln, als es sich mein Vertrauen zu ihm vorstellt? Bleibe ich ihm auch dann noch verbunden?
„Eine Verneigung der Seele vor dem Geheimnis Gottes“ nennt Martin Schleske die Haltung, die in uns wächst, wenn wir Gott nicht an uns binden, sondern uns an ihn (Quelle: Herztöne - Lauschen auf den Klang des Lebens). So reifen Gottesfurcht und Gottvertrauen.
Verneigung der Seele, Geheimnis Gottes – das lasse ich nachklingen. Ich ahne, wie auf diesem Weg eine Gelassenheit wachsen kann, die innere Spannungen nicht auflösen muss, sondern aushalten und ausheilen kann. Diese Verneigung der Seele, die sich dann auch in einer Verneigung des Körpers ausdrückt, hat Paulus im Sinn, wenn er staunend bekennt: „Daher beuge ich meine Knie vor dem Vater, … der überschwänglich mehr tun kann als alles, was wir bitten oder verstehen…“ (Eph.2,14-20).
Mehr als wir verstehen – beinhaltet eben auch ein „Anders-als-wir-es-gerne-hätten“. Selbst, wenn es noch so gut gemeint oder gedacht war. ER bleibt Gott – und er braucht wohl mein Coaching nicht. Ich aber darf reifer werden in meinem Vertrauen zu IHM.
Ich bin nicht mehr so verwirrt und bedrückt über Gottes vermeintliches „Nichthandeln“, sondern gewinne Freude daran, meine Seele zu verneigen vor dem Geheimnis Gottes.
Bitte beten Sie mit uns, dass Gott „mehr tut, als wir bitten und verstehen“. Danke!

Ihr

Traugott Hopp
Rektor

Traugott Hopp

Der gebürtige Hesse studierte Theologie am Theologischen Seminar Tabor und an der Trinity Evangelical Divinity School in Deerfield, Chicago (USA). Seine Studienschwerpunkte waren Altes Testament und Mission ...
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02.07.2018