Menschen lieben wie Gott sie liebt

Menschen lieben wie Gott sie liebt

In dem Kurs „Weltanschauung, Kultur und Evangelium“, der ab dem 11.02.19 läuft, beschäftigt uns der Satz des bekannten württembergischen Missionstheologen Karl Hartenstein, der Folgendes schreibt: „Je näher die Kirche ihrem Herrn kommt, umso näher kommt sie der Welt“. Dieser Satz fordert uns heraus. Natürlich möchten meine Studierenden und ich näher zu Jesus kommen, doch frage ich mich: Wenn ich die Nähe zu Jesus suche, suche ich doch nicht die Nähe zur Welt? Und: Ist es nicht besser, sich von der „bösen Welt“ fernzuhalten?

Nein, meint Hartenstein, die Nähe zu Jesus hat unweigerlich die Nähe zur „Welt“ zur Folge. Damit ist aber nicht gemeint, dass man sich als Gemeinde oder Einzelperson der „Welt“ anpassen und weltförmig werden soll. Vielmehr geht es darum, dem Vorbild Jesu nachzueifern. Jesus ist „zur Welt gekommen“. Man kann sagen, dass Gott in Jesus in seine geliebte Welt, in seine gute Schöpfung, zu seinen von ihm geliebten Menschen kam. Er war bereit, die himmlische Herrlichkeit zu verlassen und „zur Welt zu kommen.“ Ja, mehr noch, er war bereit, für seine Menschen zu sterben, sein Leben für sie hinzugeben. Wenn ich nun versuche, näher zu diesem Herrn zu kommen, dann komme ich in die Nähe zu dem, der diese Welt bis zum Letzten geliebt und sich für sie geopfert hat. Das bringt mich ins Staunen.

Aber was bedeutet das für die Kirche und was bedeutet das für mich? Es bedeutet, dass die Kirche und auch ich als Einzelperson lieben sollen wie Gott liebt. Er liebte und liebt die Welt bedingungslos und voller Hingabe. Er unterscheidet nicht zwischen sympathischen und unsympathischen Menschen. Seine Liebe gilt allen, sie überschreitet Grenzen. Kann die Kirche, die Gemeinde Jesu auch Grenzen überschreiten, Grenzen hin zu Menschen, die so anders sind als wir? Ich jedenfalls möchte es versuchen, mal sehen, wen mir Gott in den Weg stellt!

Elmar Spohn
Dozent

Elmar Spohn

(D.Th., University of South Africa) war acht Jahre Missionar in Tansania und ist seit 2013 Dozent für interkulturelle Studien bei ESCT.

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01.02.2019