lost – and found

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lost wurde zum Jugendwort 2020 gewählt. Der Langenscheidt-Verlag organisierte die Wahl und erklärt: „Das englische Wort lost wird heutzutage in der deutschen Jugendsprache in verschiedenen Situationen genutzt. Eine Person, die lost ist, ist ahnungslos, verloren oder hat einfach keinen Plan, was eigentlich gerade abgeht.“

In Corona-Zeiten haben viele das Gefühl, „lost“ zu sein, nicht nur Jugendliche. Aber was genau wird hier eigentlich verloren? Zunächst geht es um mangelnde Klarheit in Alltagsfragen, um Unsicherheit in täglichen Entscheidungen, aber auch um fehlende Orientierung fürs Leben überhaupt. Das Interessante an der Redewendung ist: Es geht nicht darum, etwas verloren zu HABEN, sondern hier ist die Rede vom Verloren-SEIN: „Mensch, ich bin so lost.“

In der Geschichte vom lost son in Lukas 15 erzählt Jesus von einem jungen Mann, der auszog, um sich zu finden, sich dann aber totally lost vorfindet. Nachdem das Erbe verprasst und er mitten in der Wirtschaftskrise ganz unten angekommen war, erlebte er eine Art Wunder: „Als er zu sich selbst kam …“ wurde dem jungen Mann mit beeindruckender Klarheit bewusst, was er verloren hatte: die Würde der Kindschaft. Und das war es, was der Vater ihm bei seiner Umkehr schenkte – mit „Mein Sohn“, mit Ring, Mantel und Willkommensfest.

Die vielleicht quälendste Frage für Menschen unserer Zeit ist: Wer bin ich? Die Suche nach der Antwort führt viele in eine erschreckende lostness. Die Vielfalt an möglichen Antworten verstärkt dieses Gefühl noch. Die Frage lässt sich auch nicht befriedigend klären, solange wir nur mit uns selbst im Gespräch sind. Dieses ehrliche Gespräch mit uns selbst ist wichtig, um überhaupt zu erkennen, wie lost wir sind, und bereitet die Umkehr vor. Das Finden aber bleibt ein Geschenk. In Lukas 15 wechselt hier die Perspektive zum Vater, der ausruft: „Dieser mein Sohn war totally lost und ist gefunden worden!“ Die Suche des Sohnes mündet in das Gefunden-Werden vom Vater. Der Zuspruch des Vaters: „Du bist mein Sohn“, „Du bist meine Tochter“, verändert alles, ist die grundlegende Antwort auf der Suche nach Identität und der Beginn eines neuen Lebens. Amazing grace … I once was lost, but now I am found!

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Jesus erklärt später: Der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist. Das ist also das Zentrum der Mission Gottes in dieser Welt. Zum aktiven Mitwirken an dieser Mission zuzurüsten, ist Auftrag und Privileg der AWM und der bedeutsamste Dienst an der Menschheit, den ich mir vorstellen kann.

Tobias Menges
(M.A. Intercultural Studies, CIU; zur Zeit Doktorand) Tobias Menges ist geschäftsführender Dekan der ESCT, davor leitete er seit 2013 das Studienangebot auf Bachelor-Ebene. Nach einer technischen Berufsausb ...
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Fotos: Rembrandt, Die Rückkehr des verlorenen Sohnes (Wikipedia, gemeinfrei) / Foto re: Gabriel (Unsplash)

30.11.2020