Mission, ganz unverschämt

Mission, ganz unverschämt

La-Antigua, Guatemala: „Weißt du, wo man hier einen Führer für die Altstadt bekommen kann?“ Der junge Tourist aus Dänemark sprach mich in der Kaffeeschlange an. „Nein, ich bin auch erst seit zehn Minuten hier!“ Ich lud ihn ein, den Kaffee gemeinsam zu trinken. Er erzählte mir von seinen Reisplänen in Lateinamerika und fragte mich nach meinen. Ich erklärte etwas verklausuliert, ich hätte Vorträge auf der Jahreskonferenz einer christlichen Organisation gehalten und hätte noch einen Tag frei vor meinem Flug nach Hause. „Vorträge über was?“ fragte er. Damit kam ich um den Begriff „Mission“ nicht mehr herum und sagte: „Es ging um die Zukunft von Mission“. Dann erklärte ich kurz, was ich mit Mission meinte. Ich beendete meine Erklärung mit: „Denn die Welt wäre eine andere, wenn alle Menschen so leben würden, wie es Jesus gelehrt hat.“ Da meinte er: „Das könnte schon sein.“ Damit wurde ich zum Gesprächspartner für religiöse Themen. Bis die Kaffeetasse leer war, hatten wir über die Herkunft von Religion und ihre Bedeutung für den Menschen und die Einzigartigkeit Jesu gesprochen – mit „Mission“ als Einstieg. Dann machte er sich weiter auf die Suche nach einem Führer.

Wieder zurück in Deutschland wurde ich in einem Radiointerview zu „Mission heute“ gefragt:

„Gehört es nicht zum Kerngedanken von Mission, dass es einen richtigen und einen falschen Glauben gibt und dass die mit dem falschen Glauben auf einen richtigen Weg gebracht werden müssen? Passt dieser Gedanke noch in eine Gegenwart, in der Menschen gar nichts mehr glauben oder ihren Glauben baukastenmäßig zusammensetzen?“

Hier antwortete ich ähnlich: „Wir leben in einer pluralistischen Welt, in der es einen offenen Wettbewerb der Ideen gibt. An diesem Wettbewerb beteiligen sich Christen in aller Freiheit - und zwar mit der Überzeugung, dass eine Welt, in der Menschen so leben wie Jesus es gelehrt hat, eine bessere wäre.“

Kann dem ernsthaft widersprochen werden? Es gibt eigentlich keinen Grund, sich des Missionsauftrags zu schämen, den Jesus seinen Jüngern  gegeben hat.

Tobias Menges
(M.A. Intercultural Studies, CIU; zur Zeit Doktorand) Tobias Menges ist geschäftsführender Dekan der ESCT, davor leitete er seit 2013 das Studienangebot auf Bachelor-Ebene. Nach einer technischen Berufsausb ...
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01.07.2018